Vom "Zimmerstutzen - Schützenverein Gempfing"

zum "Schützenverein Almenrausch"

 

Nach dem Revolutionsjahr 1848 kam es nicht nur in Bayern, sondern im gesamten Deutschland zu einem Aufblühen des Schützenwesens, wie überhaupt des gesamten Vereinswesens. So stieg etwa im Bereich der Stadt München die Zahl der Schützengesellschaften von 12 im Jahr 1856 auf 213 im Jahr 1910. Das überall erwachende Stre­ben nach Einigkeit fand mit der Gründung des Deutschen Schützenbundes in Gotha im Jahr 1861 seinen Höhepunkt. Neben den alten traditionsrei­chen Schützengilden in den Städten bildeten sich nun auch auf dem Land immer mehr Schützenvereine mit dem vorrangigen Ziel, das Scheibenschießen sportmäßig zu betreiben. Zur steigenden Popula­rität des Scheibenschießens gegen Ende des 19. Jahrhunderts trug nicht zuletzt das Aufkommen des von dem Münchner Büchsenmacher Hormann entwickelten Zimmerstutzens bei. Der Zimmerstutzen verlangte gegenüber den bisher üblichen großkalibrigen Feuerbüchsen in vielerlei Hinsicht weniger Aufwand.          

So fand das Zimmerstutzen-Schießen vielerorts auch im Rainer Winkel rasch Anhänger. Im Dezember 1909 gründete sich in Staudheim der Schützenverein „Winterlust“. Im selben Jahr trafen sich auch in Bayerdilling junge Burschen regelmäßig zum sportlichen Schießen, zu Jahresbeginn 1910 wurden dort gleich zwei Schützenvereine förmlich gegründet (Gemütlichkeit und Winterlust). Im November 1910 gründete sich in Wächtering der Schützenverein „Winterlust“. Dies mag junge Burschen aus Gempfing und Überacker darin bestärkt haben, ebenso einen Schützenverein zu gründen, zumal in beiden Ortschaften Gastwirtschaften mit entsprechend großen Räumlichkeiten zum Aufbau eines Schießstandes vorhanden waren. Der Überackerer Wirt scheint dabei dem Schützenwesen mehr Sympathie entgegengebracht zu haben. So zeigte am 30. Dezember 1910 der Bauerssohn Leonhard Baumann von Überacker dem Bezirksamt in Neuburg a. d. Donau an, dass sich im Ort ein Verein zum regelmäßigen Zimmerstutzenschießen gebildet habe. Auch ein Vereinsbetrieb hatte sich schon etabliert: „Die Schießabende finden am Samstag ab 1/2 8 Uhr abends in der Baum­gartner'schen Schenkwirtschaft dort statt.“

Zwei Wochen später, am Samstag den 14. Januar 1911, nahm Wachtmeister Ludwig Lanz von der Gendarmeriestation Rain eine Überprüfung der Anlage vor. Es ist anzunehmen, dass er sich beim abendlichen Schießbetrieb einfand. Dem Bezirksamt konnte er Zufriedenstellendes berichten: „Zum (königlichen) Bezirksamte Neuburg a/D mit dem Berichte, daß bei obigem Schützenverein die Sicherheitsmaßregeln entsprechend getroffen sein dürften. Es wird in der Weise geschossen, daß der Schütze vom Gastzimmer aus den Schuß ins Nebenzimmer abgibt, in welch letzterem der Scheibenstand sich befindet. Die Schußlinie führt an der Wand entlang und ist im Gastzimmer durch Anbringen von sog. Bretterblenden abge­grenzt. Im Nebenzimmer ist keine Schutzblende vorhanden. Dort hält sich auch nur der Zieler auf, dessen Sicherheit insoferne nicht gefährdet erscheint, daß der Schütze vom Gastzimmer ins Nebenzimmer durch eine kleine Öffnung schießen muß, wodurch ein größeres Abweichen des Geschosses seitwärts verhindert ist.“ Eine zweite, von der Küche ins Nebenzimmer führende Tür, fand Lanz bei seinem Besuch durch Vorschieben des sogenannten „Nachtriegels“ ver­schlossen vor, womit den Sicherheitsvorschriften genüge getan war.         

Leider besitzen wir keine Überlieferung, wieviele Mitglieder der neue Verein zählte und welche Aktivitäten er entfaltete. Im ersten Weltkrieg stellte er wie viele andere Sportvereine den Betrieb ein, da die meisten jungen Männer aus Gempfing und Überacker ein­gezogen waren. Nach Kriegsende im November 1918 und der Ausrufung des Freistaates Bayern durch Kurt Eisner in München am 7. November bestimmte in den nächsten Monaten zunächst die Politik das Tagesgeschehen. Die Ermordung des Ministerpräsidenten Eisner am 21. Fe­bruar 1919 in München, die Flucht der bayerischen Regierung nach Bamberg, dann die Ausrufung einer sozialistischen (7. April), später kommunistischen (13. April) Räterepublik in München führten schließlich zum Bürgerkrieg in Bayern, der in den ersten Maitagen durch den siegreichen Ein- und Vormarsch regierungstreuer Truppen auf München beendet wurde. Erst dann kam es zu einer weitgehenden Beruhigung des öffentlichen Lebens auch auf dem Land und nach Einfahren der Ernte fand man wieder Zeit, früheres Vereinsleben zu reaktivieren. Dies bestätigt ein Schreiben des Gempfinger Bürgermeisters Jakob Zinsmeister an das Bezirksamt Neuburg vom 18. Januar 1920, worin er anzeigt, dass der „Zimmer­stutzen-Schützenverein Gempfing“ seine Schießabende - jeden Samstag in der Gastwirtschaft in Überacker - wieder aufgenommen habe, nachdem er während des Krieges seine Tätigkeit eingestellt hatte.      

Wie es nach der Wiederaufnahme des Schießbetriebes weiterging, ist nicht belegt. In den Inflationsjahren 1921 bis 1923 war es insgesamt mit den Aktivitäten der Schützenvereine nicht weit her, die Geldmittel wurden knapp, die Schießgebühren, die vorher Pfennigbe­träge ausgemacht hatten, stiegen nun in die Zehntausende. Offenbar scheint es aber Unstimmigkeiten im Verein, der sich nach mündlicher Überliefe­rung „Edelweiß“ nannte, gegeben zu haben. Es kam zu Austritten, manche wechselten nun nach Gempfing zu der im Gasthaus Baumann neu gegründeten Schützengesellschaft „Almenrausch“. Nach Berichten ehemaliger Mitglieder sollen die abgesprungenen Edelweiß-Schützen einen Zimmerstutzen in den Bestand des neuen Vereins eingebracht haben. Schriftliche Unterlagen zur Vereinsgründung existieren nicht, sie muss jedoch nach dem Zeugnis ehemaliger Mitglieder spätestens 1925 erfolgt sein. Zwei Schützenscheiben aus dem Jahr 1927 belegen die Aktivitäten der Schützengesellschaft Almenrausch.

 Von der Gründung 1925 bis 1982 Vereinslokal: Das „Bräuhaus“, als Richterhaus um 1700 erbaut

 

Ausgeschossen wurde bei den Vereinsabenden oft ein Quantum Bier, wobei kleine Stahlkegel als Zielob­jekte dienten. Scheiben fertigte oftmals das Vereinsmitglied Wagnermeister Klement Berger. Die ausgedrehten Scheiben wurden dann mit Bil­dern beklebt, auf die direkt geschossen wurde.

Bei der Fahnenweihe im Jahre 1975 konnten noch sieben Gründungs­mitglieder mit einem Ehrengeschenk bedacht werden. Es waren dies: Vitus Huber, Josef Sprater, Klement Berger, Xaver Konrad, Josef Würfel (alle Gempfing) und Georg Zach sen. (Überacker).

 

NS-Zeit, Krieg und Nachkriegszeit

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 zwang auch die Schützenvereine zur Eingliederung in den Führerstaat. Die bisher gültige Bayerische Schützenordnung von 1868 wurde durch neue Satzungen ersetzt, die das Führerprinzip umsetzen sollten. Von nun an hieß der Schützenmeister „Vereinsführer“, nur er wurde noch von der Vereinsversammlung gewählt, die übrigen Vorstandsmitglieder sollte er selbst bestimmen. Am 15. August 1933 wurde der Deutsche Schützenbund aufgelöst und mit anderen Schießsportverbänden in den „Deutschen Schützenverband“ überführt. Nicht überall, aber doch sehr häufig standen nun die Schießübungen unter dem Motto: „Üb' Aug' und Hand fürs Vaterland!“.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erlahmte schließlich in den meisten Vereinen, so auch bei den Gempfinger Almenrausch-Schützen, der Schießbetrieb. Nur wenige Gesellschaften waren in der Lage, in den Kriegsjahren wenig­stens ab und zu einige Männer zum friedlichen Scheibenschießen zu versammeln. Nach Kriegsende dachte man weder in den Städten noch auf dem Lande an eine Wiederaufnahme der Schützentradition. Der Schützenverein Almenrausch Gempfing hatte sich von selbst aufgelöst. Den meisten Männern stand noch viele Jahre nach Kriegsende nicht der Sinn danach, eine Waffe in die Hand zu nehmen. Obendrein hatte die amerikanische Militärregierung jegliche schießsportliche Betätigung strikt untersagt. Sie ordnete die Ablieferung aller Sportwaffen an. Dabei war es zwischen Besatzungsbehörden und bayerischem Innenministe­rium durchaus strittig, in welchem Umfang Schützenvereine unter das Verbot von Or­ganisationen mit militärähnlichem Charakter zu zählen waren. Ab 1948 vertraten die bayerischen Behörden dann eine entgegenkommende Haltung bei der Neu- oder Wiederzulassung von Schützenvereinen. Geschossen werden durfte jedoch nur mit kleinkalibri­gem Zimmerstutzen (4,55 mm) oder Kugelstutzen (8 - 11 mm) und mit den von Besatzungsbehörden den sich neu formierenden Vereinen vorgeschriebenen Luftgewehren, die aller­dings einen glatten Lauf haben mussten. Diese Vorschrift riss viele Schützen zunächst einmal in eine tiefe Depression. Luftgewehr? - Mit einem solchen Spielzeug konnten sich vielleicht Halbwüchsige die Zeit an Schießbuden vertreiben. Aber allmählich erkannte man die Chancen, die in der neuen Waffe lagen: die Anschaffungs­kosten wie auch die Ausgaben für Munition und Scheiben waren erheblich geringer als beim Kleinkaliberschießen und zudem reichte ein größerer Saal als Schießstand aus. Schon nach wenigen Jahren hatte die Industrie (Walther, Diana, Weihrauch) präzise und wettkampftaugli­che Waffen entwic­kelt, die sich in den 1950er Jahren großer Beliebtheit erfreuten und den Anstoss zur Neugründung unzähliger Vereine gaben. So wurde das Luftgewehr, aus der Not geboren, zum Sportgerät Nr. 1 der Schützenvereine.

 

Die Wiedergründung des Schützenvereins "Almenrausch"

Im Laufe der 1950er Jahre wurden vielerorts die alten Schützen­vereine wieder reaktiviert. Früh formierten sich die Staudheimer Schützen wieder neu (1950). Im Oktober 1958 geschah es bei „Gemütlichkeit“ Bayer­dilling (der dortige Verein „Winterlust“ war von etwa 1951 bis 1963 aktiv). Die bereits über 20 Jahre unterbro­chene Schüt­zentradition in Gempfing und Überac­ker rückte ebenfalls wieder in den Blickwinkel der Dorfjugend. Beim "Drainieren" einer Wiese beim Reisla-Holz am Kirchweihmontag des Jahres 1959 (19. Oktober) fassten nach mündlicher Überlieferung einige Beteiligte (u. a. Ludwig Modlmeir, Karl Zinsmeister und Johann Schiele) den Entschluss, den Schützenverein Almenrausch wieder zu gründen. In der Vorweih­nachts­zeit fand dann in der Gastwirtschaft „beim Sprater“ eine vorbereitende Versammlung statt, in der die Wiedergründung beschlossen wurde, in der aber auch sehr bald deutlich wurde, dass aufgrund der unzureichenden Raumverhältnisse „beim Sprater“ keine Schießstände errichtet werden konnten. Die Gründungsversammlung fand dann am 6. Januar 1960 in der Gastwirtschaft Baumann statt. Zum ersten Vorstand wurde Schullehrer Matthias Wank gewählt. Als „Geburtshelfer“ und Mentor der Anfangsjahre erwarb sich dabei der Staudheimer Schützenvor­stand Gregor Stöckl bleibende Verdienste um den Ver­ein. Er gab wertvolle Ratschläge, wie der Verein sich zu konstituieren habe und wie beim Bau des ersten Schießstandes in der Gastwirtschaft Baumann zu verfahren sei. Außerdem „lotste“ er als Gauausschussmitglied die Gempfinger in den Sportschützengau Pöttmes, was gar nicht so selbstverständlich war, gehörten doch die benachbarten Rainer Schützen dem Gau Donau-Ries an.

 

Die ersten Jahre nach der Wiedergründung

Die Wiedergründung erwies sich gleich als Erfolg: Mit anfangs 36, zum Jahresschluss dann 42 Mitgliedern, vier Jungschützen und ei­ner Dame (Elfriede Baumann) konnte man mit ei­nem soliden Mitgliederstamm den Neuaufbau wa­gen. Wichtigste Ziele waren natürlich die Er­wirtschaftung von Geldmitteln, um möglichst schnell die Sachausstattung für den Schießbetrieb erwerben zu können. Mit einer großzügigen Spende (100 DM) von Frau Rosa Baumann, Besitzerin der Gastwirtschaft, konnte bereits am 18. Ja­nuar 1960 der erste Zimmerstutzen zum Preis von 327 DM gekauft werden. Eine 200 DM-Spende der Kronenbrauerei Donauwörth ermög­lichte am 6. März 1960 den Kauf eines zweiten Zimmerstutzens (Preis mit Munition: 316,90 DM). Inzwischen hatte man am 12. Februar beim „Bräu“ den ersten Schützenball veranstaltet, der 325,60 DM Einnahmen erbrachte. Für die Musik wurden 100 DM ausgegeben, die Gemeinde Gempfing erhob für die Tanzerlaubnis 22 DM. Weitere Tanzveranstaltungen zur Ortskirchweih am 19. Juni (mit Schießbudenbetrieb) und zur „großen Kirchweih“ am 16. Oktober 1960 (es spielte die Marktkapelle Burgheim) füllten die Vereinskasse weiter auf.   

Die Standverhältnisse waren zunächst schwierig. Geschossen wurde auf einem Stand, der vom Gastzimmer aus über eine Öffnung in der Wand in das Nebenzimmer und von dort in die Speisekammer führte. Interessant ist dabei, dass die Anordnung und der Aufbau des Schießstandes frappierend der Konstellation des Jahres 1911 in Über­acker glich. Auch in der Gempfinger Wirtschaft mussten bei Schießbetrieb zwei Zimmertüren (Nebenzimmer, Speisekammer) ver­schlossen sein. Fiel während des Schießens eine Scheibe herun­ter, musste der Weg über die Küche des Wirts in die Speisekammer genommen werden. Das Gewehr wurde beim Schießen aus Sicherheitsgründen in der Maueröffnung abgelegt, daneben lief ja der Wirtschaftsbetrieb weiter. Nach einiger Zeit baute man neben der Maueröffnung eine Holzwand auf, um den Schießstand nach rückwärts in den Raum hinein verlegen zu können und um so auf die erforderlichen 10 m Länge zu kommen. Jetzt war es auch möglich, einen zweiten Stand - allerdings bei sehr beengten Verhältnissen - aufzubauen.

Schießabende wurden zunächst immer samstags abgehalten. Zur Aufbesserung der Vereinskasse erhob man bis 1967 Schussgeld: für fünf Übungs­schuss 20 Pf. Fünf Schießkarten kosteten 1 DM, beim Scheibenschießen verlangte man für 3 Schuss 50 Pf. Noch im ersten Jahr gab man beim Uhrmachergeschäft Steib in Pöttmes eine Königskette in Auftrag. Am 15. Januar 1961 wurden für sie 250 DM ver­ausgabt. Als erster konnte sich 1961 Johann Sedlmeir die Kette umhängen lassen (mit insgesamt vier Königswürden ist er auch „Rekordhalter“). Ein großes offenes Preisschießen mit Maitanz (mit der Kapelle „Hitboys“) wurde am 2. Mai 1961 abgehalten. Die Scheibe gewann wieder Johann Sedlmeir. Unter großem Engagement von Vorstandschaft und Mitgliedern kam es in den Anfangsjahren immer wieder zu öffentlichen Tanzveranstaltungen und Preisschießen. Dies zeigte sich auch in der erstmaligen Durchführung einer Theateraufführung zum Jahresende 1962. Schon nach kurzer Zeit hatte sich ein fester Feier- und Festkanon etabliert, der im wesentlichen heute noch das Grundgerüst des Schützenjahres bildet: Das erste „Strohschießen“ fand am 16.12.1961 mit 27 Teilnehmern (darunter Ortspfarrer Wolfgang Steiner) statt, das erste (offizielle) Eröffnungsschießen für das Schießjahr 1963/64 hielt man am 26.10.1963 ab, das erste Vereinspreisschießen am 25.04.1964, ein Ver­einsmeister wurde erstmals 1963 ermittelt.

 

Erster großer sportlicher Erfolg: Gregor Stöckl aus Staudheim (Mitte) überreichte 1966 an Schützenmeister      Ludwig Modlmeir den Wanderpokal nach fünfmaligem Gewinn; rechts Anton Bleimair, im Hintergrund Michael Lapperger. Dieser Pokal wird seither in Ehren gehalten und wurde erst kürzlich restauriert

Erste Vergleichsschießen und Wett­kämpfe

Mit den benachbarten Vereinen Kunding und Staudheim wurde ab 1961 ein jährliches Pokalschießen durchgeführt, das bei der ersten Austragung am 18. Februar 1961 zur nicht geringen Überraschung der favorisierten Staudheimer gleich Gempfing gewann. 1962 konnte der Titel verteidigt werden. Das Schießen wurde insgesamt sechsmal durchgeführt. Der Pokal ge­langte nach fünfmaligem Gewinn (davon 1964 bis 1966 dreimal hinter­einander) in Gempfinger Besitz.

Am 7. April 1962 fand der erste Vergleichswettkampf gegen die Riedheimer Schützen statt. Der Sieger Gempfing erhielt eine Scheibe, die noch heute im Schützenheim hängt. Ab 1964 beteiligte sich der Verein mit einer Mannschaft sehr erfolgreich an den Rundenwettkämpfen des Schützengaues Pöttmes. Diese fanden zunächst nur im kleinen Rahmen statt (pro Schütze 15 Schuß, Gruppen zu vier Mannschaften). Die erste Rundenwettkampfmannschaft bildeten:         

                                                                                                                            Endter Richard           
                                                              Sedlmeir Johann        
                                                              Zach Georg sen.         
                                                              Zach Georg (Überacker)        

Ab Herbst 1965 – mit Einbau von sieben Zugständen in den Saal der Gastwirtschaft – waren die Voraussetzungen für den Ausbau des Schießbetriebes geschaffen.

Die Tradition der Vergleichskämpfe mit „Eichenlaub Unterstall“ begann mit Freundschaftsschießen am 2. Januar 1965 in Unterstall und vierzehn Tage später in Gempfing; erfolgreich war der jeweilige Gastgeber. Bester Gempfinger Schütze in Unterstall war Georg Zach (128 Ringe/15 Schuß). Beim Sieg auf dem eigenen Stand (1442 Ringe gegenüber 1433 Ringen der Unterstaller) kamen in die Wertung: Richard Endter (132), Johann Sedlmeir (126), Alfred Lohner (125), Georg Zach, Überacker (123), Johann Schiele (123), Ludwig Modlmeir (122), Georg Zach sen. (121), Xaver Steidle (118), Rupert Seidl (114), Josef Forthofer (114), Anton Löffelmeier (113) und Adolf Merz (111). Die Kontakte hatte Johann Sedlmeir geknüpft, der für die Unterstaller 1965 und 1966 an den Rundenwettkämpfen teilnahm. Im Lauf der Jahre und in vielen Freund­schafts- und Rundenwettkämpfen und geselligen Beisammensein haben sich zahlreiche persönliche Freundschaften entwickelt, die die „Eichenlaubschützen“ ganz selbstverständlich zum Patenverein der Jubiläumsfeiern von 1975 und 2000 werden ließen.

  

 

 

 

Aus der Zeit der Wiedergründung sind diese zwei Scheiben erhalten. Abwechselnd sind Gregor Baumann und Joseph Helmer der Stifter beziehungsweise der Gewinner.

 

An die Wiedergründung erinnert diese Scheibe, die Georg Zach sen.,später Ehrenmitglied des Vereins, gewonnen hatte.

Ausbau des Wettkampfbetriebes und Konsolidierung auf hohem Niveau        

Mitte der 1960er Jahre hatte sich ein Kreis aktiver und erfolgreicher Schützen herausgebildet, so dass bereits 1966 eine zweite Rundenwettkampfmannschaft gebildet werden konnte. Die Entwicklung der Luftgewehre war inzwischen so weit fortgeschritten, dass Zimmerstutzen-Schützen in das Hintertreffen gerieten. So erwarb der Verein bei der Spielwarenhandlung Völk in Rain am 22. Januar 1967 zum Preis von 349,80 DM das erste Luftgewehr der Marke Feinwerk, am 23. Februar 1969 folgte das zweite, ebenfalls von der Fa. Völk (349,70 DM).         

Im Jahr 1968, dann endgültig 1970, konnte man eine dritte Mannschaft in den Rundenwettkampf schicken. Ab Frühjahr 1971 ging man mit engagiertem Einsatz daran, eine gezielte Nachwuchsförderung aufzubauen. Am Sonntag Vormittag nach dem Gottesdienst fand im Saal der Gastwirtschaft Baumann unter Anleitung von Anton Löffelmeier sen. ein eigenes Jugendtraining statt, bei dem sich bald bis zu 10 Jugendliche versammelten. Als Frucht dieser Jugendarbeit konnte im Jahr 1973 eine vierte Mannschaft aufgestellt werden, die zwar 1975 wieder zurückgezogen werden musste, sich aber 1977 end­gültig etablieren konnte. Viele dieser Jungschützen aus den 1970er Jahren bildeten später das Gerüst der oberen Mannschaften und trugen dazu bei, dass der Verein eine Spitzenposition im Gau einnehmen konnte und - bei einer wieder sehr leistungsstarken Schützenjugend - bis heute hält. Mit der Aufstellung einer fünften Mannschaft im Jahr 1980, einer sechsten Mannschaft im Jahr 1981 und einer siebten Mannschaft im Jahr 1988 konnte der Wettkampfbetrieb erheblich ausgeweitet werden. Nachdem man in den Jahren 1991 und 1992 zwei Mannschaften wieder zurückziehen musste, gilt seit 1993 der heutige Stand von sechs am Rundenwettkampf teilnehmenden Mannschaften.

Das Alter der aktiven Schützen sank in den zwei Jahrzehnten. Immer mehr junge Schützen streben durch hervorragende Ergebnisse nach oben. Die bessere Ausrüstung (Jacke, Hose, Schuhe, Gewehr) ist wohl ausschlaggebend für diesen Leistungssprung.

Es darf aber nicht übersehen werden, dass im Gegenzug der Trainingsfleiß - im Ganzen gesehen - nachgelassen hat. Die Nachwuchsarbeit - ein allgemeines gesellschaftliches und auch ein Betreuerproblem - war mehrere Jahre sehr schwierig. Dazu kam die geringe Kinderzahl im Dorf. In jüngster Zeit hat der Verein wieder verstärkten Zulauf und einige sehr hoffnungsvolle Talente in seinen Reihen.

Durch einige familiär bedingte Wegzüge gingen dem Verein mehrmals Schützen der ersten Mannschaft verloren. Josef Zach, Anton Löffelmeier und Roland Endter schossen zwar anfangs noch für Gempfing, wechselten aber schließlich aufgrund der Entfernungen jeweils zu einem Verein am neuen Wohnort.

  

Das Schützenjahr

Wie bereits oben erwähnt, hatte sich nach wenigen Jahren ein fester Kanon von Vereinsveranstaltungen herausgebildet. Nachfolgend sei noch auf einige weitere Veranstaltun­gen im Schützenjahr hingewiesen.


Seit 1960 wurde im Fasching ein Schützenball abgehalten, der ab Mitte der 60er Jahre auf Initiative des Gastwirtschaftspächters Michl als „Kappenabend“ stets auf den ersten Samstag nach Heilig-Drei-König festgelegt wurde. Er verlor nach zwei Jahrzehnten seine Attraktivität und fiel der allgemeinen „Faschingsmüdigkeit“ und der geringen Akzeptanz bei der Jugend zum Opfer, so dass er im Jahr 1992 das letzte Mal abgehalten wurde.

Der mit dem Ende des berühmten Kundinger Rosenmontag-Faschingsballes eingeführte Maskenball (Hausball) am Faschingssamstag erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit, ebenso der Kinderfasching am Faschingsdienstag.


Seit 1964 wird im Frühjahr ein Vereinspreisschießen durchgeführt, dessen Preisverteilung mit einem „Vereinsessen“ für alle Mitglieder verbunden ist.


Im Jahr 1965 (8. August) veranstaltete der Verein, wie viele Vereine in der Umgebung, im Bräuhof erstmals ein Gartenfest mit Schießbudenbetrieb. Da die ersten Gartenfeste jedoch fast immer durch Regenfälle beeinträchtigt waren, daher der Besuch zu wünschen übrig ließ und der finanzielle Ertrag gering war, kam man schon nach wenigen Jahren wieder davon ab.

Im Jahr 1967 wurde erstmals ein Vereinsausflug – gemeinsam mit dem Schützenverein Schorn – veranstaltet. Mehrtägige Ausflüge werden seit 1979 durchgeführt.

Das Preisschafkopfen in der Faschingszeit wurde Mitte der 1970er Jahre eingeführt. Hier ein Blick in den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Schützenheim

 

Seit 1982 gibt es am ersten Mittwoch im Monat ein Damenschießen, an dem sich durchschnittlich zehn Mitglieder beteiligen. Es ist ein reines Gesellschaftsschießen, da die Damen keine Rundenwettkampfschützen sind. Radtouren mit anschließender Einkehr überbrücken dabei die Sommerpause.

Am 10. Dezember 1983 fand im Schützenheim die erste Weihnachts­feier statt, die bei sehr gutem Besuch mit Sängern und Musikantengruppen vorwiegend aus Gempfing und einem Theaterspiel heute zu den wichtigsten Veranstaltungen im Jahreskreis zählt. Die Seniorennachmittage („Hoagarten“ jeden letzten Mittwoch im Monat) gibt es seit 1982. Der Altennachmittag im Advent, 1978 eingeführt, wurde dagegen wegen geringer Besucherzahl ab 1995 aufgegeben.

 

 

Bei einem der ersten Seniorennachmittage, noch im Saal beim „Bräu“, v. l. Ida Schneider, Sigmund Bleimair, Christine Bleimair, Walburga Forthofer mit Enkelkind, Maria Schoder, Adolfine Hausner und Elisabeth Mattis, rechts im Vordergrund Anton und Maria Seitz.

Seit 1986 wird eine Kirchweihscheibe ausge­schossen, die von Ehrenschützenmeister Vitus Endter gestiftet wurde. Davor wird in der Pfarrkirche ein Schützenjahrtag gehalten, mit Gedenken an die Verstorbenen des Vereins.

Im Sommer bildet ein Grillfest den Abschluss der Saison, das mit einem Fußballspiel Verheiratete - Ledige eröffnet wird. Das Fischessen im November gehört ebenfalls zum festen Bestandteil des Schützenjahres.

An bestimmten Veranstaltungen des Kirchenjahres nimmt der Verein insgesamt (Fronleichnamsprozession) oder mit einer Fahnenabordnung (Volkstrauertag) teil. Bei Hochzeiten von Vereinsmitgliedern „rückt“ minde­stens die Fahnenabordnung aus. Das „Standala-Singa“ vor Eheschließungen oder bei runden Geburtstagen von Vereinsmitgliedern, erstmals für Anneliese Löffelmeier im August 1981, hat schon Manchem Tränen der Rührung oder auch im Nachhinein Kopfschmerzen gebracht. Unter Leitung von Vitus Endter und mit dem Solisten Gerhard Gnielka gelangen unvergessliche Abende.

 

 

 

 

 

 

Ständchen-Singen beim Polterabend von Birgit Hofgärtner am 18. August 1996 unter Leitung von Ehrenschützenmeister Vitus Endter

 

 

 

 

 

 

Der Verein ist vielfach gesellschaftlich und für die Dorfgemeinschaft tätig. Beispielsweise fanden seit 1986 in Gempfing fünf Sänger- und Musikantentreffen statt. Organisator war jeweils Vitus Endter. Die Außenanlagen des Schützenheimes werden seit dem Heimbau von Vereinsmitgliedern gepflegt.

 


Die Fahnenweihe 1975

Vom 27. - 29. Juni 1975 fand aus Anlass des 50-jährigen Bestehens ein Schützenfest mit Fah­nenweihe statt. Festplatz waren die Wiesenflächen linkerhand der Wengener Straße. Die Festleitung hatte erster Vorstand Johann Sedlmeir. Als Patenverein fungierte Eichenlaub Unterstall, Schirmherr war der Rainer Bürgermeister Karl Würmseher. Zwei Jahre Vorbereitung und Organisation waren dafür nötig. Der Start des Festes verlief nicht gerade programmgemäß: Die Firma Buri war mit der Fertigstellung der neuen Fahne in Verzug, so dass Johann Sedlmeir noch am Freitag Nachmittag auf der Autobahn Richtung Würzburg unterwegs war, um an einer Raststätte die Fahne zu übernehmen. Das Gesundheitsamt, das die geplante Wasserzufuhr vom Bräu-Anwesen und von anderen umliegenden Anwesen wegen schlechter Wasserqua­lität nicht genehmigt hatte, gab erst am Freitag Nachmittag die Zustimmung zu einer Aushilfslösung: das Wasser wurde nun in ein neues Güllefass gefüllt, zum Zelt gefahren und mittels eines Zusatzstoffes aus der Rainer Apotheke so aufbereitet, dass es für den Festzeltbetrieb ausreichte. Das für 18.00 Uhr verein­barte Standkonzert mit der Festkapelle Reinhard Reißner aus Feldkirchen konnte wegen Verspätung der Kapelle erst um 18.45 beginnen, so dass beim Einzug ins Zelt bereits die ersten Regentropfen fielen. Bürgermeister Karl Würmseher eröffnete das Fest mit dem Bieranstich. Während des von Lehrer Wilhelm Biela geleiteten Bunten Volksmusikabends unter dem Motto „Juhe, frisch auf, zum Schiaßn frei“ entlud sich ein heftiges Gewitter, starker Wind kam auf und plötzlich war der Strom weg. Eine Viertelstunde herrschte Dunkelheit im Zelt, bis mit einem Notstromaggregat vom Hauserbauern die Stromzufuhr wieder hergestellt werden konnte. Außerdem regnete es so stark, dass das Wasser beim Zelt vorne rein und hinten wieder raus floss (Johann Sedlmeir). Der Wind hatte zudem einen Teil des Zeltdaches losgerissen. Also ein Start mit Hin­dernissen. Am Samstag war man mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt, das Wetter beruhigte sich allmählich und am Sonntag, dem Haupttag, herrschte dann allerschönstes Sommerwetter, das den Gempfingern einen wunderschönen Festtag bescherte. Am Samstagabend waren den noch lebenden Grün­dungsmitgliedern von 1925 Erinnerungsgaben (Bierkrügel) überreicht worden, Georg Zach sen(+ 01.01.1999) erhielt die Ehrenmitgliedschaft verliehen und Zauberer Savini ließ mit seiner Schau die Anwesenden staunen.

Zur Fahnenweihe am Sonntag waren 68 Vereine erschienen. Der Festgottesdienst wurde unter den historischen Linden am Kirchberg abgehalten. Pfarrer Wolfgang Steiner hielt eine beeindruckende Predigt unter dem Motto: „Eine Fahne ist mehr als ein Tuch“.

Als sehr gelungen erwies sich die Idee, das Mittagessen am Sonntag im Zelt von einer Nachschubstaffel des Jagdgeschwaders 74 „Mölders“ in Neuburg a. d. Donau zubereiten zu lassen. Deren Feldküche konnte in kürzester Zeit den großen Andrang hungriger Schützen zum Mittagessen bewältigen und bald waren 500 Schnitzel ausverkauft. Die Maß Bier kostete im übrigen 3,30 DM. Den nachmittäglichen farbenfrohen Umzug besuchten tausende Gäste.

Zum Fest erschien eine Festschrift mit historischen Beiträgen von Lehrer Wilhelm Biela, die Druckkosten übernahm Jagdpächter Eugen Malz, der in Donauwörth eine Druckerei besaß.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gruppenbild bei der Fahnenweihe am 29. Juni 1975; eine Reihe von Mitgliedern arbeitete im Festzelt und ist deshalb nicht auf dem Bild.

1. Reihe v. l. Gertrud Degmayr, Heidi Sedlmeir, Vitus Endter, Anton Löffelmeier, Johann Sedlmeir, Thomas Schmid, Johann Schiele, Alfred Sedlmeir, Adolf Merz, Renate Lohner, Anni Modlmeir und Taferlbub Ludwig Modlmeir.           2. Reihe v. l. Barbara Degmayr, Bernhard Schmid, Josef Bleimair, Franz Maier, Schützenkönig Franz Degmayr, Helene Merz, Irmgard Zach, Jugendkönig Herbert Augustin, Alois Büchler und Anton Löffelmeier jun.                           3. Reihe v. l. Elisabeth Lapperger, Veronika Endter, Rita Paula, Anneliese Löffelmeier, Sigrid Paula und Berta Zach.                                                                                                                                                                                                         4. Reihe v. l. Rudolf Karmann, Erhard Maier und Georg Zach.

 

Zweimal Patenverein, 1981

 

Zweimal durfte Almenrausch Gempfing-Überacker als Patenverein fungieren, und zwar in der arbeitsreichen Zeit des Schützenheimbaues vom 29. bis 31. Mai 1981 bei Auerhahn Kunding und nur fünf Wochen später vom 3. bis 6. Juli 1981 bei Gemütlichkeit Bayerdilling

 

 

 

Gruppenbild als Patenverein am 5. Juli 1981 in Bayerdilling.

 

 

 

 

 

Als Patenverein beim Umzug in Kunding am 3.Mai m1981

 

 

 

 

 

 

 

 

 

25 Jahre Wiedergründung, 1985

 

Am 14. September 1985 beging der Verein die 25-Jahr-Feier der Wiedergründung mit einem Fest im Schützenheim. Mit dabei waren Patenverein Unterstall und die Patenkinder Kunding und Bayerdilling. Von den 19 noch lebenden Gründungsmitgliedern des Jahres 1960 waren immerhin 17 anwesend. Die neu geschaffenen Ehrennadeln für 25-jährige Mitgliedschaft konnten erstmals ausgegeben werden. Wegen seiner Verdienste um den Verein und ins­besondere um den Bau des Schützenheimes erhielt Vitus Endter das Ehrenschützenmeisteramt zuerkannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ehrung der Wiedergründungs-Mitglieder bei der 25-Jahr-Feier, vorne v. l. Josef Zach, Thomas Schmid, Adolf Merz, Georg Zach sen. und Josef Ferg, Mitte v. l. Adolf Schmid, Konrad Schmid, Leonhard Schmid, Alfred Sedlmeir, Ludwig Modlmeir, Georg Hofgärtner, Hermann Endter, Alfred Lohner und Johann Sedlmeir, hintere Reihe v. l. Johann Schiele, Vitus Endter und Anton Löffelmeier.

 

 

 

 

14. September 1985:

Johann Sedlmeir (links) verleiht Vitus Endter die Urkunde als Ehrenschützenmeister.

 

 

 

 

 

 

 

(Verfasser Adalbert Riehl)